Fakten und Zahlen

Die Medizinische Universität wurde 1365 als Fakultät der Universität Wien gegründet und ist seit 2004 eine eigenständige Uni. Mit durchschnittlich 8.000 Studierenden ist sie die größte medizinische Forschungs- und Ausbildungsstätte im deutschsprachigen Raum. Klinische Forschung findet hier auf insgesamt 48.000 m² statt, mit mehr als 5.000 Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen. Ca. 1.200 Lehrende und 12 Lehrkrankenhäuser sind für die medizinische Ausbildung der Studierenden zuständig. Insgesamt 31 Universitätskliniken, 12 medizintheoretische Zentren und 30 hochspezialisierte Laboratorien bilden gemeinsam das AKH Wien, das zweitgrößte Krankenhaus weltweit, wo der Großteil der medizinischen Ausbildung stattfindet.

Hier werden jährlich ca. 48.000 Operationen durchgeführt, 100.000 Patienten stationär und 605.000 ambulant versorgt.

Das Studienangebot

Die Meduni Wien bietet neben den Diplomstudien Humanmedizin und Zahnmedizin außerdem ein Masterstudium für Medizinische Informatik, verschiedene PhD- und Doktoratsstudien an, sowie 17 postgraduelle Lehrgänge.

Das Diplomstudium Humanmedizin

Die akademische Ausbildung zu Arzt oder Ärztin dauert an der Meduni Wien, genauso wie in jeder Medizinischen Universität Österreichs 12 Semester und wird mit dem Titel Dr. med. univ. abgeschlossen.

Um einen der 660 Plätze zu bekommen, müssen sich Bewerber in einem Aufnahmeverfahren, das aus einem eintägigen Eignungstest besteht, qualifizieren. Geprüft werden unter anderem naturwissenschaftliche Kenntnisse, Merkfähigkeit und Textverständnis. Jedes Jahr absolvieren rund 5.000 Interessenten diesen Test, den sogenannten Med-AT, der in gleicher Form auch für die Medunis Innsbruck und Graz abgehalten wird.

Der erste Studienabschnitt des Diplomstudiums Humanmedizin dauert zwei Semester und besteht vorwiegend aus vorklinischen Fächern, wie z.B. Anatomie, Chemie, Histologie und Physiologie. Der Stoff ist in sogenannte Blöcke eingeteilt, die jeweils ein Organsystem oder einen Themenkomplex behandeln und aus Vorlesungen, sowie Seminaren und Praktika mit Anwesenheitspflicht bestehen. Seminare und Praktika werden in Kleingruppen zu zehn Studierenden abgehalten, die jedes Semester neu festgelegt werden. Neben den Blöcken gibt es noch Lines, Lehrveranstaltungen die wöchentlich das ganze Semester hindurch abgehalten werden und meist praktische Skills vermitteln (z.B. Sezierkurse, Reanimationsübungen, Ärztliche Gesprächsführung etc.). In einem Semester werden in der Regel drei Blöcke und zwei bis drei verschiedene Lines absolviert.

Abgesehen von sporadischen kleinen Prüfungen in einzelnen Seminaren erfolgt die Leistungsüberprüfung am Ende des Jahres in Form einer Multiple-Choice Prüfung, der SIP (Summative integrierte Prüfung). Die SIP1, mit der der erste Studienabschnitt beendet wird, ist die erste große Hürde des Studiums mit der höchsten Drop-out-Quote. (Diese fällt allerdings nicht sehr hoch aus, da durch den Med-AT im Vorfeld schon stark selektiert wird.)

Der zweite Abschnitt dauert sechs Semester und vermittelt den angehenden Ärzten und Ärztinnen die notwenigen theoretischen Grundlagen und medizinischen Fertigkeiten. Nach jedem Jahr wird eine SIP absolviert (also im zweiten Abschnitt SIP2, SIP3 und SIP4), außerdem findet nahezu jedes Semester ein Pharmakologieseminar mit mündlicher Prüfung statt.

Das Beherrschen der grundlegenden medizinischen Tätigkeiten, wie Blutabnahme, Injektionen verabreichen oder Anamneseerhebung, wird am Ende des vierten Semesters in Form des Famulaturpropädeutikums überprüft. Im Laufe des Studiums hat jeder Studierende während den Ferien 12 Wochen Praxiserfahrung in Lehrkrankenhäusern bzw. bei niedergelassenen Medizinern zu sammeln und diese praktische Prüfung stellt sicher, dass die Jungmediziner bereit sind für das Lernen und Praktizieren direkt am Patientenbett.

Den Abschluss des zweiten Abschnitts stellt - neben der positiven Absolvierung der SIP4 - die OSCE (Objective Structured Clinical Examination) dar, eine weitere praktische Überprüfung von klinischen Fähigkeiten. Außerdem wird im vierten Jahr mit der Diplomarbeit begonnen.

Ist das geschafft, beginnt der dritte und letzte Abschnitt, der vorwiegend in der Klinik stattfindet. Im 9. und 10. Semester durchlaufen die Studierenden sechs Tertiale, wobei sie verschiedene Fachrichtungen praktisch kennenlernen. Das sechste Jahr ist seit 2014 zum KPJ (Klinisch Praktisches Jahr) geworden. In diesem letzten Jahr verbringen Jungmediziner jeweils 16 Wochen auf einer Abteilung für Innere Medizin, Chirurgie und einer Fachrichtung ihrer Wahl und zwar 30 Stunden pro Woche. In dieser Zeit findet kein Unterricht mehr statt und es gibt auch keine SIP6. Der akademische Grad des Dr. med. univ. ist erreicht, wenn das KPJ erfolgreich abgeschlossen und die verfasste Diplomarbeit positiv beurteilt wurde.

Diplomstudium Zahnmedizin

Das Diplomstudium Zahnmedizin besteht ebenfalls aus 3 Abschnitten. Der erste Abschnitt dauert zwei, der zweite vier und der dritte sechs Semester. Während der ersten vier Semester deckt sich der Lehrplan nahezu gänzlich mit dem des Diplomstudiums Humanmedizin, mit Ausnahme von vereinzelten Lines und Praktika. Auch das Famulaturpropädeutikum findet in der Zahnmedizin in Form eines Praktischen Repetitoriums statt. Das heißt, die ersten zwei Jahre verbringen Human- und Zahnmediziner großteils zusammen, ab dann teilen sich die Wege. Der Stoff wird ebenfalls in Themen-Blöcken (ab dem 5. Semester Block Z-1 bis Z-9) und Lines vermittelt, am Ende des Jahres findet jeweils eine Z-SIP (Z-SIP1 bis Z-SIP6) statt (siehe Diplomstudium Humanmedizin).

Die letzten vier Semester des Studiums werden von den Studierenden in der Klinik direkt am Patienten zugebracht, im Zahnmedizinisch-klinischen Praktikum. Dieses dauert insgesamt 72 Wochen und entspricht in etwa dem KPJ der Humanmediziner. Nach dem erfolgreich absolvierten Praktikum, der Z-SIP 6 und dem Verfassen einer Diplomarbeit bekommen die Absolventen den Titel Dr. med. dent. verliehen.

Um zum Diplomstudium Zahnmedizin zugelassen zu werden, muss der MedAT-Z absolviert werden, der mit dem MedAT für Humanmedizin fast identisch ist. Es werden dabei jedes Jahr 80 Plätze vergeben.